AfD & Trump: Das steht für Frauenrechte und Gleichberechtigung auf dem Spiel

Mit Erschrecken wird in deutschen Wohnzimmern, in Kneipen, in Medien und der politischen Öffentlichkeit der aggressive US-Wahlkampf verfolgt. Derweil befürchtet die ein oder der andere schon, dass das zornige Misstrauen gegenüber Staat und Politik, die Verhöhnung der Medien, die Überschreitungen politischer und sprachlicher Tabus sowie die steigende Gewaltbereitschaft im kommenden Wahljahr auch in Deutschland zum Alltag werden könnten.

Denn es gibt nicht viel was Trumps populistische Polemik von den wütenden Parolen der Alternative für Deutschland (AfD) unterscheidet. Dies zeigt sich insbesondere, wenn es um Frauenrechte und Gleichberechtigung geht. Hier lassen sich deutliche Parallelen zwischen Trump und der AfD erkennen, was politische Ausrichtung und Rhetorik angeht. Bei beiden dominiert ein unterdrückendes Frauenbild, das auch konkrete Auswirkungen auf ihre Politik hat. Es lässt sich klar erkennen: Unter Trump und AfD steht viel auf dem Spiel, wenn es um die mühsam errungene Gleichberechtigung innerhalb unserer Gesellschaft geht.

Trump und die AfD stellen sich gegen das Abtreibungsrecht

Trump ist Populist, nicht Ideologe, und seine Position zum Abtreibungsrecht hat sich dementsprechend häufig geändert. Früher erklärte er noch emphatisch, “I’m very pro-choice. I hate the concept of abortion…But … I just believe in choice.” Doch seit 2011 ist er entschieden “pro-life”. Was genau das für ihn bedeutet, bleibt unklar. In einem Talkshow-Auftritt Ende März diesen Jahres forderte der Moderator Chris Matthews eine klare Antwort darauf, ob denn die Kriminalisierung der Abtreibung die betroffenen Frauen strafrechtlich mache. Daraufhin erwiderte ein sichtbar echauffierter Trump: „There has to be some form of punishment.” Auf die Frage, ob sich auch die Väter strafrechtlich machten, antwortete Trump: „I would say no.“ Klar ist: der republikanische Kandidat ist bereit, das Abtreibungsrecht je nach politischen Ansprüchen weitgehend  einzuschränken und Frauen zu stigmatisieren.

Eine vergleichbare Rhetorik findet sich bei der AfD: Sie schreibt in ihrem Parteiprogramm (Seite 44): “Die AfD wendet sich gegen alle Versuche, Abtreibungen zu bagatellisieren, staatlicherseits zu fördern oder sie gar zu einem Menschenrecht zu erklären.” Sinke die Zahl der Abtreibungen nicht von allein, brauche es eine Gesetzeskorrektur. De facto bedeutet dies, dass die AfD Abtreibung erschweren oder gar abschaffen will. Bezeichnend dabei ist zudem, dass die AfD mit der Abschaffung von Abtreibung auch ein bevölkerungspolitisches Ziel verfolgt, welches sie in ihrem Parteiprogramm (Seite 41) “Mehr Kinder statt Masseneinwanderung” betitelt.

Deutlich wird die Positionierung der AfD auch durch die Aussage ihrer EU-Abgeordneten Beatrix von Storch, die eine Debatte im EU-Parlament zum Recht auf Abtreibung betitelt als “Tödliche EU: Abtreibung jetzt als Menschenrecht”. 

 

Sowohl Trump als auch die AfD verharmlosen sexuelle Übergriffe

Dass Trump kein Verfechter der körperlichen Selbstbestimmung ist, wurde spätestens Anfang Oktober deutlich, als eine geheime Video-Aufnahme von Trump veröffentlicht wurde, in der er damit prahlt, Frauen gegen ihren Willen zu bedrängen und zu küssen: „When you’re a star, they let you do anything.“ Als Antwort auf Trumps Verharmlosung, dies sei alles nur „locker room talk“, haben ihn in den vergangenen Wochen zwölf Frauen öffentlich aufgrund sexueller Übergriffe und Belästigungen beschuldigt.

Und auch die AfD zeigt sich mit klar frauenfeindlichem Gesicht, wenn es um sexuelle Belästigung geht. So postete der AfD-Politiker Markus Frohnmaier nach den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln auf facebook: „Ach wäre ich Neujahr nur nach Köln gefahren…“ Mit diesem Spruch auf einem Bild der Grünen-Politikerin Claudia Roth, die sich für Menschen- und Frauenrechte einsetzt, wünscht er indirekt, die Politikerin wäre Opfer der Übergriffe geworden.

Frauen zurück an den Herd

Auf den 66 Seiten des republikanischen Partei-Programms erscheinen die Wörter „equal pay“, „paid family leave“ und „child care“ kein einziges Mal. Die politische Ablehnung von ökonomischer Unabhängigkeit und Ignoranz gegenüber Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Familie spiegelt sich auch in zahlreichen früheren Aussagen von Trump wider. So erklärte er 2004 in einem Interview, dass Schwangerschaft durchaus eine Unannehmlichkeit für ein Unternehmen sei. Zehn Jahre zuvor meinte Trump hinsichtlich der aktiven Mitarbeit seiner ersten Ehefrau Ivana im Trump Castle Casino: “I think that putting a wife to work is a very dangerous thing… My big mistake with Ivana was taking her out of the role of wife and allowing her to run one of my casinos in Atlantic City, then the Plaza Hotel.” Bei seiner zweiten Frau Marla hätte er Wutanfälle bekommen, wenn das Abendessen nicht rechtzeitig fertig war.

Trump verkauft sich an erster Stelle als erfolgreicher Unternehmer. In zahllosen Reden hat er amerikanischen Wähler*innen versprochen, seine Geschäftserfahrung einzusetzen, um 25 Millionen neue Jobs zu kreieren, Steuern zu senken, staatliche Regulierung einzuschränken und für ein jährliches Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent zu sorgen. Erst als seine älteste Tochter Ivanka im Juli eine Rede beim republikanischen Parteitag hielt,  wurden Fragen wie gleiche Entlohnung von Frauen, Kinderbetreuung und bezahlte Elternzeit thematisiert:

“As President”, erklärte Ivanka Trump, “…he will focus on making quality childcare affordable and accessible for all… He will fight for equal pay for equal work, and I will fight for this too, right alongside of him.”

 

Tatsächlich sind entsprechende Handlungsempfehlungen nun auf Trumps Website zu finden. Doch auch wenn Ivanka das Potenzial dieser Themen entdeckt hat, stehen die von Trump über Jahrzehnte wiederholten Aussagen in krassem Widerspruch dazu. Seine rhetorische Kehrtwende wirkt für viele Wähler*innen hohl und unglaubwürdig.

Dass Trump ein antiquiertes Frauenbild pflegt, ist in etlichen Interviews dokumentiert, in denen er von seinen verschiedenen Beziehungen erzählt. So zum Beispiel seine Aussage, dass eine gute Ehefrau nicht gleichzeitig Karriere machen könne: „The problem [with Ivana] was, work was all she wanted to talk about. When I got home at night, rather than talking about the softer subjects of life, she wanted to tell me how well the Plaza was doing, or what a great day the casino had… I will never again give a wife responsibility within my business. Ivana worked very hard,…but I soon began to realize that I was married to a business person rather than a wife.” (Trump: The Art of the Comeback).

Eine ebenso rückwärtsgewandte Politik findet sich bei der AfD. Sie lehnt jede Art der Förderung weiblicher Berufstätigkeit ab. Sie bezeichnet es als “falsch verstandenen Feminismus”, Mütter in ihrer Erwerbstätigkeit zu fördern, anstatt sie einfach nur Hausfrauen und Mütter sein zu lassen (Seite 41, AfD-Grundsatzprogramm).

Zudem verweigert die AfD grundsätzlich eine Frauenquote, lehnt staatliche Kindergärten ab, mit der Begründung die Erziehung der Kinder müsse durch die Mütter erfolgen. Das heisst gleichzeitig: Frauen zurück an den Herd. Als Leitbild der Familienpolitik bedient sich die AfD der 60er Jahre, einem homogenen Weltbild in dem Minderheiten und andere Lebensformen keinen Platz haben.

Die Anti-Feminist*innen

Vielleicht ist es nicht weiter verwunderlich, dass ein Mann, der über Jahrzehnte auch die Schönheitswettbewerbe Miss Universe, Miss USA und Miss Teen USA zu seinem Unternehmenskonsortium zählte, Frauen prinzipiell auf ihr Aussehen reduziert. So sagte Trump 1991 in einem Gespräch mit Esquire Magazine: „You know, it really doesn’t matter what they [die Medien] write as long as you’ve got a young and beautiful piece of ass.“ Diese Ansicht bleibt auch seinen eigenen Töchtern nicht erspart. Als er 1994 in einem Interview gefragt wurde, was seine damals einjährige Tochter Tiffany von ihm und seiner damaligen Frau Marla Maples hätte, erwiderte Trump ungeniert: “She’s really a beautiful baby. She’s got Marla’s legs. We don’t know whether or not she’s got this part yet [mit einem Zeichen auf Ms. Maples Busen], but time will tell.” Auch von seiner älteren Tochter spricht Trump häufig als Sex-Objekt. Sie hätte eine sehr gute Figur, meinte Trump 2006 in der Talkshow The View: „I’ve said that if Ivanka weren’t my daughter, perhaps, I would be dating her.”

Frauen, die ihn öffentlich kritisieren, entgegnet er mit mit vulgärsten Parolen. Über seine Konkurrentin Carla Fiorina sagte er: “Look at that face. Would anyone vote for that?” Und als die Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly ihn darauf hinwies, dass er den Wähler*innen für seine frauenfeindlichen Aussagen eine Erklärung schulde (“You’ve called women you don’t like fat pigs, dogs, slobs and disgusting animals.”), erwiderte Trump: “There was blood coming out of her eyes, blood coming out of her wherever.” Denn eine Frau, die ihre eigene Meinung hat, neben ihm als Präsidentschaftskandidatin auftritt oder ihn gar öffentlich zwingt, sich für seine Aussagen zu verantworten, muss entweder hässlich (und somit eben doch nicht Frau) oder von ihren Hormonen gesteuert sein.

Während Trump Frauen reflexhaft auf ihr Äußeres reduziert, lehnt die AfD den Feminismus in Gänze ab. Diese Einstellung spiegelt sich auch im Wahlprogramm der AfD in Baden-Württemberg von 2016 wider (welches mittlerweile nicht mehr online aufrufbar ist), hierin stand: “… Frauenquoten, Gleichstellungsbeauftragte und staatliche Propaganda für sexuelle Minderheiten lehnt die AfD rigoros ab.” (youtube video dazu)

Solche antifeministischen Positionierungen werden auch vom Nachwuchs der AfD vertreten. Dieser löste 2014 mit einer Foto-Kampagne gegen Feminismus einen Shitstorm aus. Auf einem der Bilder war eine junge AfD-Anhängerin abgebildet, die durch ein Plakat konstatiert: “Ich bin keine Feministin, weil mein Mann mein Fels in der Brandung ist – und nicht mein Klassenfeind!”

Insgesamt empört sich die AfD, dass durch den Genderwahn die Sprache “abstrus umgestaltet werde, damit sich die Geschlechteraufhebung auch im alltäglichen Sprachgebrauch wiederfindet” und fordert die geschlechterneutralen Worterfindungen abzuschaffen. “

Der Populismus katapultiert uns ins Familienleben der 50er Jahre

Wenn es um Kinderbetreuung und Haushalt geht, sagt Trump: “I like kids. I mean, I won’t do anything to take care of them. I’ll supply funds and she’ll take care of the kids. It’s not like I’m gonna be walking the kids down Central Park.” Kein Wunder also, dass sich Trump trotz seiner zwei Scheidungen, etlichen Seitensprüngen und drei Ehen standhaft für die „traditionelle Ehe“ ausspricht. Laut dem Parteiprogramm der Republikaner ist der Grundstein der amerikanischen Familie die “natürliche Union zwischen einem Mann und einer Frau”. Nur in solch einer traditionellen Partnerschaft sei es möglich, physisch und emotional gesunde Kinder aufzuziehen und sie vor Drogen, Kriminalität, Alkohol, außerehelicher Schwangerschaft und Schwierigkeiten in der Schule zu bewahren.

Auch in den Augen der AfD zählt als Familie nur die traditionelle Familie. Vater, Mutter und Kinder bezeichnet sie als die “Keimzelle der Gesellschaft” (Seite 40, 41 AfD-Grundsatzprogramm). Gender Mainstreaming lehnt die AfD ab, da dadurch das traditionelle Familienbild zerstört würde. Die Gender-Ideologie marginalisiere naturgegebene Unterschiede zwischen den Geschlechtern und wirke damit traditionellen Wertvorstellungen und spezifischen Geschlechterrollen in den Familien entgegen (Seite 54 AfD-Grundsatzprogramm).

Das Familienbild von beiden, Trump und AfD, ist eine Weltanschauung, die nicht nur für moderne Frauen und die LGBTQ-Community, sondern auch für viele heterosexuelle Männer veraltet und einschränkend wirkt. Schließlich haben die Erfolge der Frauenbewegung nicht zuletzt auch wichtige Errungenschaften für Männer und für vielfältigere Gestaltungsmöglichkeiten des eigenen Lebens bewirkt.

Insgesamt verhöhnen Trump als auch die AfD feministische Forderungen als “politisch “korrekte” Sprachvorgaben” (Seite 47 AfD-Grundsatzprogramm). Mit dieser Strategie rechtfertigen sie nicht nur ihre Diskriminierung von Frauen, sondern auch von Migrant*innen, religiösen Minderheiten, LTBGQ-Communities und jeglichen Lebensformen, die nicht ihrer Weltanschauung entsprechen.

Deutsche Trumps bald im Bundestag …?

Nicht alle (und nicht nur) Frauen sind Feminist*innen. Und nicht für alle sind Frauenrechte das entscheidende Thema der Wahl. Doch insgesamt sollte es für Deutsche, die aus dem US-Wahlkampf Lektionen für den kommenden Herbst ziehen wollen, besorgniserregend sein, wie sehr sich Trumps anti-feministische Politik und Rhetorik in den Parolen der AfD widerspiegelt. Denn wenn sich heute Millionen  Amerikaner*innen kopfschüttelnd fragen, wie es in ihrer Demokratie zu einem so frauenfeindlichen und undemokratischen Kandidaten kommen konnte, könnten es im kommenden Jahr die Deutschen sein, die mit gleicher Sprachlosigkeit den rapiden Aufstieg der AfD und die Abschaffung jahrzehntelang erkämpfter Gleichberechtigung beobachten.

 

Von Nora Löhle und Hannah Winnick

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