Absurditäten eines Clowns: Die dritte Fernsehdebatte

Die Ausgangslage vor dem dritten und letzten Fernsehduell von Trump und Clinton war eindeutig. Trump brauchte einen sehr starken Auftritt, um in den Umfragen ein Stück näher an Clinton heran zu rücken und damit eine Chance auf den Wahlsieg zu wahren. Angesichts dessen versagte er auf ganzer Linie. Die ersten Umfragen nach der Debatte weisen Clinton als erneute Siegerin aus. Einige von Trumps Bonmots mögen bei seiner Kernwählerschaft gut angekommen sein, aber in den entscheidenden Fragen dürfte er nach dieser Debatte weiter verloren haben.

Neue Wähler/innen nicht in Sicht

Sowohl in der programmatischen als auch in der persönlichen Auseinandersetzung unternahm Donald Trump alles, um die existierenden politischen Gräben zu vertiefen anstatt Brücken zu neuen Wählerschichten zu bauen. Gegen das Recht auf Abtreibung, für unbegrenzten privaten Waffenbesitz, gegen eine schrittweise Legalisierung illegaler Einwanderer. Das sind konservative Mantras für die Mobilisierung seiner Anhängerschaft, dürfte ihm aber keine zusätzliche Stimme von Frauen oder Latinos gebracht haben. Clinton hingegen zeigte sich in der Debatte als mitfühlende Politikerin, gab durch die Erzählung von individuellen Geschichten vielen politischen Fragen ein Gesicht und profilierte sich recht erfolgreich als integrierende Figur.

Hinzu kam der wiederholte Versuch von Trump, Clinton einzuschüchtern, zu unterbrechen und aus dem Konzept zu bringen. Nachdem dies durchgängig gescheitert war, bezeichnete er sie als „nasty woman“, als grässliche Frau – einer der vielen bemerkenswerten Momente des Abends. Das dürfte ihm kaum zusätzliche Sympathien von Wählerinnen einbringen. Angesichts dessen, dass Trumps harter Unterstützerkern höchstwahrscheinlich nicht ausreicht für eine Mehrheit, sind das keine guten Nachrichten für seine Kampagne.

Charakterlicher Eignungstest: Untauglich

Es gibt in den USA zwei entscheidende charakterliche Fragen, an denen Kandidat/innen gemessen werden: 1. Möchten Sie ein Bier mit dem Kandidaten trinken. 2. Trauen sie dem Kandidaten zu, in brenzligen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren. Clinton hat weiterhin Defizite bei der Bier-Frage. Ihre charakterliche Eignung für die zweite Frage, die Commander-in-Chief Frage jedoch akzeptieren die meisten Amerikaner/innen.

Trump ist, vor allem bei Männern, als Trinkpartner gegenüber Clinton leicht im Vorteil, obgleich ihm menschliche Empathie ebenso weitgehend zu fehlen scheint wie ernsthaftes Interesse an anderen Menschen. Was aber die Charakterfrage für die Qualifikation als Oberster Befehlshaber angeht, sind Trumps Werte verheerend. Er ist bekannt für seine dünne Haut, seine Irritabilität, seine Überreaktion auf kleinste Attacken. Clinton nutzte dies, um über die ganze Debatte hinweg mit kleinen psychischen Nadelstichen Trump aus der Reserve zu locken und damit charakterlich bloß zu stellen. Und er reagierte wie von ihr erhofft. Er schnaubte sie an, wurde aggressiv und fand seinerseits kein Mittel, Clinton aus der Ruhe zu bringen.

Clinton verwendet seit dem Parteitag im Sommer den Spruch, dass niemand den Schlüssel zum Einsatz von Atomwaffen haben sollte, der bereits durch einen einfach Tweet aus der Ruhe zu bringen ist. Angesichts dessen, dass bereits vor der Debatte beinahe die Hälfte der Wähler/innen davon ausging, dass Trump als Präsident Atomwaffen zum Einsatz gegen ISIS oder feindliche Länder bringen würde, hat sie an diesem Abend weitere Punkte gesammelt bei der Infragestellung der charakterlichen Eignung von Donald Trump. Dies wurde auch nicht gerade gemildert durch Trumps Weigerung, ein kritisches Wort über Vladimir Putin zu verlieren vor dem Hintergrund der Beweise, dass die russische Regierung derzeit Schritte unternimmt, die US-Wahlen im Sinne Donald Trumps zu beeinflussen.

Verschwörung!

Bereits in den letzten Wochen hat sich Trump in einen Diskurs versteift, der überall Verschwörungen gegen ihn am Wirken sieht. Als extremer Narzisst kann er  nicht akzeptieren, vermutlich in wenigen Wochen vor den Augen der ganzen Welt als Verlierer da zu stehen – zudem als Verlierer gegenüber einer Frau. Auch an diesem Abend wittert er an allen Ecken Verschwörungen. Die Protestierenden bei seinen Veranstaltungen sind von Clinton bezahlt! Die Anschuldigungen gegen ihn bezüglich sexueller Gewalt sind von Clinton orchestriert! Und dann kommt die entscheidende Frage: Wird er den Ausgang der Wahl im Falle einer Niederlage akzeptieren? Trump lässt dies offen und schafft damit nicht nur einen beispiellosen Bruch mit der über 200-jährigen Tradition der Demokratie in den Vereinigten Staaten. Er setzt zugleich das zentrale Thema, welches alle Medien die kommenden Tage dominieren wird und ihn möglicherweise weitere Unterstützung kosten kann.

Auch seine mögliche Ablehnung der Rechtmäßigkeit der Wahl begründet er mit Verschwörungen. Nicht nur werde die Wahl selbst möglicherweise manipuliert, er geht sogar soweit, dass Clinton gar nicht erst habe antreten dürfen vor dem Hintergrund, dass sie eigentlich vorbestraft sein müsste. Alleine die Tatsache also, dass Clinton seine Gegnerin ist, ist für Trump bereits Beweis der Korruptheit des Systems. Es ist eine bemerkenswerte Entgleisung.

Schaden für die Demokratie

Auch wenn Donald Trump derzeit alles dafür tut, ab dem 20. Januar 2017 nicht als Präsident im Weißen Haus zu residieren, trägt sein Wahlkampf dennoch weiter dazu bei, der amerikanischen Demokratie Schaden zuzufügen. Trump heizt seine Anhänger politisch weiter auf und trägt Verschwörungstheorien in breite Teile der Gesellschaft hinein. Angesichts der ohnehin geringen Zustimmungswerte für die existierenden demokratischen Institutionen, ist das kein gutes Omen für die Zeit nach der Wahl. Immer mehr Akteure in Washington vermuten zudem, dass uns Donald Trump auch nach einer verlorenen Wahl politisch erhalten bleiben könnte, beispielsweise durch die Gründung eines politischen Medienunternehmens rechts von Fox News. Roger Ailes, ehemals Fox News und Stephen Bannon, ehemals Breitbart News, sind bereits zentrale Figuren seines Teams. Das könnte Trump ermöglichen, seinen relativen Erfolg zu monetarisieren und gleichzeitig seine Anhängerschaft zu pflegen. Nach den Erfahrungen der letzten Monate ist das den USA im Sinne eines zivilen politischen Diskurses eine bedenkliche Perspektive.

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