#NoDAPL auf Heiligem Land

Die Auseinandersetzung um das Dakota Access Pipeline Project (DAPL) geht weiter.

Im Januar letzten Jahres wurde der Bau einer knapp 1900 Kilometer langen Pipeline von North Dakota nach Illinois genehmigt. Die Leitung soll in North Dakota gewonnenes Öl zur Weiterverarbeitung nach Illinois transportieren und dadurch die örtliche Wirtschaft ankurbeln. Mehrere indigene Gruppen, örtliche Farmer und Umweltaktivist/innen zeigen sich allerdings besorgt um negative Auswirkungen auf die Umwelt und ihr kulturelles Erbe und versuchen seither, die Umsetzung des Projekts zu verhindern.

Am meisten Wirbel haben die Standing Rock Sioux aus North Dakota verursacht, deren Reservat direkt an das geplante Baugebiet angrenzt. Die geplante Pipeline führt an mehreren Stellen unter dem Missouri River durch und stellt bei auftretenden Schäden eine Bedrohung für die Hauptwasserversorgung des Reservats dar. Weiterhin führt der Bau durch Gebiete, in denen sich heilige Ahnenstätten und –Gräber der Sioux befinden. Nachdem zahlreiche Appelle an die Behörden erfolglos blieben und die Umweltverträglichkeitsprüfung  des US Army Corps of Engineers (USACE) keine direkten Folgen für das kulturelle Erbe ergab, nahmen die Standing Rock Sioux die Sache in die eigene Hand und errichteten ein Protestlager an der Pipeline Baustelle in Cannon Ball, North Dakota.

Trotz dieser Protestaktionen begannen Anfang des Monats die Bauarbeiten, Bundesrichter wiesen den Antrag auf die Aussetzung des Projekts zurück. Die Bundesregierung veröffentlichte daraufhin eine Pressemitteilung, in der sie Bauarbeiten in dem US Army Corps Gebiet, das an den Lake Oahe angrenzt, untersagt und die Träger des DAPL ersucht, die Bauarbeiten einzustellen, bis kein Zweifel mehr darüber besteht, ob kulturelle Stätten betroffen sind oder nicht.

Die Protestbewegung gewinnt seither von Tag zu Tag mehr Mitstreiter, sowohl im Protestcamp, das mittlerweile an die tausend Leute zählt, als auch in Form von landesweiten Solidaritätsaktionen. Die Stimmung vor Ort wird zunehmend angespannt. Reporter/innen wird mittlerweile der Zugang erschwert, und mehrere Protestierende wurden verhaftet  und von Sicherheitspersonal attackiert. Bilder von diesen Vorfällen als auch von einer Aktion, in der die grüne Präsidentschaftskandidatin Jill Stein Graffiti auf einen Bulldozer sprüht, führten zu einer rasant steigenden Präsenz in den nationalen Medien. Auf Twitter werden Aktive und Interessierte unter #NoDAPL über die Geschehnisse auf dem Laufenden gehalten. So erklärte Kandi Mossett, eine Angehörige der Standing Rock Sioux, dass es sich bei den Protestlern nicht um Demonstranten, sondern um Beschützer des Landes handele, die dieses für die nächste Generation erhalten wollen.

Diesen Dienstag versammelten sich zahlreiche Aktivist/innen vor dem Weißen Haus in Washington D.C., wo sie an Präsident Obama appellierten, dem Bau der Pipeline endgültig ein Ende zu bereiten.

Unter ihnen befand sich auch Senator Bernie Sanders, der in seiner Rede die Regierung dazu aufforderte, sich grundsätzlich von fossilen Brennstoffen zu verabschieden und Maßnahmen für eine nachhaltige Energiegewinnung zu ergreifen. Senator Sanders setzt sich schon länger für die Rechte von indigenen Völkern ein und hat dies zu einem festen Bestandteil seiner Kampagne gemacht. Dabei geht es vor allem um Themen wie Souveränität, Gesundheitsvorsorge und die Wahrnehmung von Rassismus. Währenddessen haben weder Präsident Barack Obama noch die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton öffentlich zu den Protesten Stellung bezogen, obwohl sich beide zuvor für die Rechte von indigenen Völkern ausgesprochen haben.

Dieser Aufstand von amerikanischen Ureinwohner/innen, die sich im Kampf um ihr kulturelles Erbe vereinen, zählt als der größte aller Zeiten in den USA. Sein Ausgang bleibt offen.

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