BREXIT gibt Trump neuen Aufwind

Das Referendum zum Brexit hätte für Donald Trump zu einem kaum günstigeren Zeitpunkt kommen können. Denn in den letzten Wochen ist erheblich Sand in das Getriebe von Trumps Wahlkampf geraten. Der Sieg der Brexit-Befürworter/innen in Großbritannien über die vermeintlichen Politeliten in London und Brüssel stärkt nun bei Trump die Hoffnung, dass sein Kampf gegen das „Establishment“ in Washington erfolgreich ausgehen wird.

Die Woche hatte für Trump nicht gut begonnen. Laut aktuellen Umfragen liegt Trump deutlich hinter Hillary Clinton. Aus Frustration darüber feuerte Trump am Montag seinen Wahlkampfmanager Corey Lewandowski, eine Entscheidung, zu der Trump offensichtlich von seiner Familie bewogen wurde.  Außerdem wurde bekannt dass Trumps Wahlkampf zunehmend das Geld ausgeht. Bisher waren nur wenige Unternehmen zu Großspenden für Trumps Kampagne bereit. Das ist ein entscheidender Nachteil gegenüber seiner Konkurrentin Hillary Clinton, deren Kampagne über eine gut gefüllte  Wahlkampfkasse verfügt. Nachdem auch durchgesickert ist, dass der mächtige Apple-Konzern den Parteitag der Republikaner im Juli aus Protest gegen Trumps Politikvorschläge nicht unterstützen wird, lässt sich nicht ausschließen, dass sich weitere Großunternehmen offen gegen den Kandidaten Trump stellen werden – ein bemerkenswerter Vorgang in den USA, wo viele Konzerne in der Regel die Kandidat/innen sowohl der Demokraten als auch der Republikaner unterstützen.

So war Trump diese Woche gezwungen, seine Wahlkampfkasse mit Mitteln aus seinem Privatvermögen aufzubessern, und erklärte, dass er zur Not die gesamte Kampagne aus eigener Tasche bezahlen werde. Das könnte ihn teuer zu stehen kommen, kann doch damit gerechnet werden, dass die Ausgaben für TV-Werbung und Mitarbeiter/innen im Hauptwahlkampf bei weit über einer Milliarden US-Dollar liegen wird. Nach wie vor besteht für Trump auch das Problem, dass große Teile der republikanischen Parteiführung Trumps Kandidatur nicht öffentlich unterstützen wollen. Das ist wenig überraschend, hat doch Trump seit Beginn seines Wahlkampfs gegen das „Establishment“ in Washington gewettert und sich damit viele Feinde im Land gemacht, darunter auch in der Republikanischen Partei.

So kam das Brexit-Referendum zum besten Zeitpunkt für Trump. Während die meisten US-Beobachter über das Ergebnis geschockt sind, frohlockte Trump während eines Aufenthaltes im Brexit-kritischen Schottland, dass die Briten ihre Unabhängigkeit zurück erlangt hätten. Ähnliches würde in den USA geschehen, falls Trump die Wahlen im November gewinne, und dann grundlegende Änderungen in den Bereichen Handel, Immigration und Außenpolitik vornehmen könne. Tatsächlich bestanden bei den Kampagnen der Brexit-Befürworter/innen und Trumps Wahlkampf einige Parallelen: Beide Kampagnen versuchen Angst unter der Bevölkerung über Einwanderung, Globalisierung und sozialen und wirtschaftlichen Abstieg, sowie  Wut über die Bevormundung von Eliten in Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Medien zu erzeugen.  Nur durch grundlegende Veränderungen könnten die Bürger/innen die Kontrolle über den eigenen Staat und dessen Grenzen zurückgewinnen.

Die Warnungen von Expert/innen über die negativen Folgen des Brexits wurden dabei von den Befürwortern in den Wind geschlagen. Ähnlich hofft Trump darauf, dass die US-Wähler im November die von vielen Seiten erfolgten Warnungen über die Folgen von Trumps Politikvorschlägen ignorieren werden. Offensichtlich sieht sich Trump mittlerweile als Teil einer Gegenbewegung gegen das politische „Establishment“, die in vielen westlichen Staaten an Aufwind gewinnt. Entsprechend bestärkt die Brexit-Entscheidung Trump in seiner Hoffnung,  dass sein Kampf gegen die vermeintlichen Eliten zum Erfolg führen wird.

Trotz Führung in den aktuellen Umfragen sollte Hillary Clinton gewarnt sein. Trump wird in den nächsten Monaten alles unternehmen, um Clinton als Establishment-Kandidatin darzustellen, die nicht versteht, was viele Amerikaner/innen bewegt, um damit weitere „Wutbürger“ zu mobilisieren. Ähnlich wie beim Brexit, dessen Möglichkeit viele Beobachter/innen unterschätzt haben, hat vor einem Jahr kaum jemand Trump zugetraut, als stärkster republikanischer Kandidat aus den Vorwahlen hervorzugehen. Es ist nicht auszuschließen, dass es für Clinton-Anhänger nach den Wahlen am 8. November ein ähnlich böses Erwachen gibt wie für die Brexit-Gegner nach dem Referendum.

Dieser Artikel wurde unter Uncategorized kategorisiert und ist mit , , verschlagwortet.

Diskussion

  1. In vielen Bereichen wird die Entscheidung zum Brexit seine Auswirkungen zeigen. Jetzt bleibt abzuwarten, wie sich das ganze Thema in den nächsten Wochen entwickelt.

Kommentieren