Böses Erwachen für die Republikaner – Weckruf für die Demokraten

Der Albtraum republikanischer Wahlkampfstrategen ist gestern Realität geworden. Donald Trump ist der unvermeidliche Präsidentschaftskandidat der republikanischen Partei. Ein Mann ohne jegliche politische Erfahrung, der es vermocht hat im Laufe des letzten Jahres mehr wichtige Wählergruppen gegen sich aufzubringen als jeder andere Kandidat der modernen Geschichte.

On the one hand…

Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Noch nie gab es einen Kandidaten, der in landesweiten Umfragen derart negativ bewertet wurde. Drei Viertel der weißen Wähler/innen mit Universitätsabschluss haben eine negative Meinung über Donald Trump, sowie mehr als zwei Drittel von weißen Frauen. Zwei Drittel aller Wähler/innen können sich nicht vorstellen, für Donald Trump zu stimmen. Fast 90 % der schwarzen Wähler/innen sind gegen Trump eingestellt. Selbst ein Viertel der republikanischen Wähler/innen in Indiana, wo Trump eben seinen entscheidenden Sieg gelandet hat, blicken mit Sorge auf eine mögliche Trump-Präsidentschaft. Auch sein auf der Mobilisierung von Ängsten aufgebauter Wahlkampf, dürfte kaum hinreichend sein, die landesweite Wahl im November für sich zu entscheiden. Mehr als die Hälfte der US-Amerikaner/innen bewertet Obama derzeit positiv, und lediglich 24 % sind wütend auf die Bundesregierung. Wer diese Zahlen mit den Zahlen von Mitt Romney von vor vier Jahren vergleicht, der kommt zu dem Schluss, dass Trump selbst Staaten wie Colorado, Pennsylvania, Wisconsin oder Arizona, welche Romney 2012 gewonnen hat, verlieren dürfte.

Das ist die eine Seite der Geschichte.

On the other…

Die andere Seite gibt es auch. Es sind dieselben Strategen und Meinungsforscher, die jetzt beinahe Hillary Clinton zur nächsten Präsidentin ausrufen, welche noch vor einem Jahr Trump als komplett chancenlos bewerteten. Hätte es damals Wettquoten gegeben für einen Sieg Donald Trumps auf republikanischer Seite, sie wären vermutlich ähnlich hoch gewesen wie für eine Meisterschaft von Leicester City in der Premier League.

Der Aufstieg Donald Trumps zum Kandidaten der Republikaner ist eine der bemerkenswertesten Außenseiter-Geschichten der langen amerikanischen Politikgeschichte. Trump hat es vermocht, mit wenigen Mitarbeiter/innen, geringem finanziellem Einsatz und unter Missachtung aller üblichen Wahlkampf-Regeln, das härteste und breiteste Bewerberfeld der modernen Geschichte auseinanderzunehmen. Er hat bewiesen, dass er die republikanische Kernwählerschaft besser versteht als alle Funktionäre und angeblichen Expert/innen. Und er beherrscht die modernen medialen 24-Stunden-Aufmerksamkeitszyklen wie kein Zweiter. Seine große Herausforderung besteht nun darin, die Partei hinter sich zu einen, und viele der Wähler/innen zurück zu gewinnen, die er mit seinem spalterischen demagogischen Wahlkampf vergrault hat. Dafür hat er ein halbes Jahr Zeit – eine kleine Ewigkeit, und er wird gegen Hillary Clinton antreten, die bei vielen Konservativen ebenso verhasst ist, wie Trump seinerseits im linken Lager. Es wird vermutlich der schmutzigste und härteste Wahlkampf aller Zeiten. Der demographische Vorteil liegt auf Seiten von Hillary Clinton. Aber wenn das letzte Jahr eines deutlich gemacht hat, dann dass es fatal wäre, Donald Trump zu unterschätzen.

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