Trump-Dämmerung: Gewalt, Frauenfeindlichkeit und Inkompetenz

Der bis dato scheinbar unaufhaltsame Aufstieg des Donald Trump als Kandidat der Republikaner hat gestern einen Dämpfer erhalten. Trump hat die Vorwahlen in Wisconsin verloren und damit eine wichtige Gelegenheit, genug Delegierte zu bekommen, um eine Mehrheit beim Nominierungsparteitag in Cleveland hinter sich zu bringen.

Die letzten beiden Wochen waren für seine Kampagne desaströs. Nach den letzten Vorwahlen hatte er erstmal eine Woche frei genommen und damit seinen Konkurrenten wertvolle Zeit geschenkt. Kaum zurück im Wahlkampf machte er dann einen Fehltritt nach dem anderen. Drei Aspekte haben ihm in den letzten Wochen besonders geschadet.

  1. Gewalt

Das fragwürdige Verhältnis von Donald Trump zu Gewalt ist seit Monaten ein wiederkehrendes Thema. Letzte Woche verteidigte er seinen Wahlkampfmanager nachdem gegen diesen wegen Körperverletzung ermittelt wurde aufgrund einer Handgreiflichkeit gegenüber einer Reporterin. Dies war nur die letzte Episode in einer Reihe von Skandalen von Gewalt gegen unliebsame Akteure bei Veranstaltungen von Donald Trump. Bei mehreren Gelegenheiten duldete Trump gewaltsames Vorgehen seiner Anhänger, wenn er sie nicht gar dazu ermutigte. Er prophezeite auch bereits Ausschreitungen, sollte er beim Parteitag in Cleveland trotz der meisten Delegierten nicht nominiert werden. Wenn es nach ihm, und nicht nach dem Secret Service, gegangen wäre, hätte er den Delegierten erlaubt, Waffen beim Parteitag zu tragen. Die wiederholten Negativschlagzeilen, welche die seine Kampagne begleitende Gewalt mittlerweile erzeugen, scheinen ihm nun erstmals Schaden zuzufügen.

  1. Frauenfeindlichkeit

Auch die Frauenfeindlichkeit von Donald Trump ist nichts Neues, sondern zieht sich wie ein roter Faden durch seinen Wahlkampf. Seine sexistische Fehde gegen die konservative Fox News Moderatorin Megyn Kelly, diskriminierende Äußerungen gegen Hillary Clinton, Anzüglichkeiten gegenüber Journalistinnen, die Liste ist lang. In den letzten zwei Wochen hat Trump dem nun zwei weitere unrühmliche Kapitel hinzugefügt. Nach einer sexistischen Attacke einer Anti-Trump-Organisation gegen seine Frau Melania, griff er die Ehefrau seines Konkurrenten Ted Cruz persönlich an und stellte gar die Frage in den Raum, wessen Ehefrau mehr Sexappeal hätte. Begleitet wurde dies von der angeblichen Enthüllung außerehelicher Affären von Ted Cruz durch ein journalistisches Revolverblatt. Der an peinlichen Momenten nicht eben arme republikanische Vorwahlkampf hatte damit einen neuen Tiefpunkt erreicht. Verantwortlich wurde dafür in erster Linie Donald Trump gemacht, dem der CNN-Journalist Anderson Cooper in einem Interview attestierte, er verhalte sich wie ein Fünfjähriger.

Schlimmer wurde dies aus Trumps Sicht nur noch, nachdem er sich zu dem politisch hoch sensiblen Thema Abtreibung äußerte und meinte, Frauen müssten in Zukunft, sollten Abtreibungen unter seiner Regierung wieder illegal sein, für diese bestraft werden. Er nahm diese Forderung, die selbst bei konservativen Abtreibungsgegner/innen in den USA auf Empörung stieß, schnell wieder zurück. Aber er hat jede Glaubwürdigkeit bei diesem für einige konservative Kreise zentralen Thema verloren. Viele Konservative meinen, Trump sei ohnehin kein echter Abtreibungsgegner, sondern ein Verkappter Liberaler, angesichts seiner gegenteiligen politischen Haltung in der Vergangenheit. Beim Versuch, sich angesichts dieser Vorwürfe als harter Abtreibungsgegner zu positionieren, hat er es nun zugleich vermocht, sein frauenfeindliches Image noch weiter zu stärken.

  1. Inkompetenz

Trump hatte sich die letzten Wochen anders vorgestellt. Er wollte einen soliden politischen Eindruck hinterlassen, verbunden mit Auftritten bei angesehenen Institutionen. Erst hielt er eine außenpolitische Grundsatzrede bei der Jahrestagung der Organisation Aipac. Dann gab er der Washington Post und der New York Times ausführliche Interviews. Der Effekt war das Gegenteil. Je mehr Trump gezwungen war, zu politischen Fragen detailliert Stellung zu beziehen, desto mehr verrannte er sich in illusionäre, abstruse und widersprüchliche Aussagen. Infragestellung der NATO, die Forderung einer nuklearen Bewaffnung von befreundeten Staaten der USA, die weltfremde Ankündigung, den Schuldenberg der USA innerhalb von acht Jahren komplett abzubauen, und immer wieder das Versprechen, er werde eine Mauer an der Grenze zu Mexiko errichten, bezahlt vom Nachbarstaat. Was von den Interviews medial übrig blieb, war das Bild eines inkompetenten, ahnungslosen Kandidaten, ungeeignet für das höchste Amt im Staate. Dies geht einher mit einer insgesamt zunehmend kritischen Haltung vieler Medien gegenüber Trump, die kritisch und schonungslos nachfragen, und dazu beitragen, seine widersprüchlichen und politisch illusionären Aussagen zu entlarven.

Stoff für Zoff auf dem Parteitag

Viele Gegner Trumps in der republikanischen Partei haben nun Hoffnung geschöpft, ihn doch noch stoppen und als Kandidat verhindern zu können. Ob das gelingt, ist weiterhin fraglich. Auch wenn mittlerweile eine gewisse Trump-Dämmerung eingesetzt hat, ist die Frage, ob diese zu spät kommt. Sein harter Unterstützerkreis wird sich weiterhin wenig um die Kritikpunkte an ihm scheren. Er bleibt ein unberechenbarer Populist, der die Befindlichkeit eines relevanten Teils der US-Bevölkerung besser erfasst hat als das Establishment der republikanischen Partei. Möglich ist daher auch, dass es in Cleveland zum echten Bruch kommt. Sollte Trump nicht nominiert werden, hat er bereits gedroht, sein Versprechen zu brechen, den gewählten republikanischen Kandidaten zu unterstützen. Er könnte dann als unabhängiger Kandidat antreten. Umgekehrt ist ebenfalls denkbar, dass Trump, sollte er sich durchsetzen, mit einem republikanischen Gegenkandidaten zu rechnen hätte. Beide Fälle könnten die Partei spalten. Als nächste wichtige Vorwahl steht nun New York am 19. April an, Trumps Heimatstaat. Dort ist er gezwungen, Boden gut zu machen. Bis Cleveland ist es auf jeden Fall noch ein weiter Weg.

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