„Meet the Volunteers“ : Junge Stimmen aus dem US-amerikanischen Wahlkampf

Als sich Hillary Clinton am Abend ihrer Vorwahlsiege am „Mega Tuesday“ in Florida, Illinois und Ohio per Twitter zu Wort meldete, dankte sie zunächst den ehrenamtlichen Helfern, die „an Türen klopften und mit Freunden plauderten“, um die Wahlbeteiligung zu mobilisieren.

In einer Zeit von Superpacs seit dem „Citizens United“-Urteil und von Präsidentschaftswahlkämpfen, bei denen etliche Millionen Dollar fließen, stellt sich freilich die Frage, inwiefern das „an Türen klopfen und mit Freunden plaudern“ denn überhaupt noch einen Einfluss auf den Wahlkampf hat.

Dennoch zählt das „Ground Game“ – sozusagen der Grabenwahlkampf – nach wie vor, ebenso wie die freiwilligen Helfer, die vor Ort von Haus zu Haus gehen und die Wähler mobilisieren. Und während jüngere Wähler zwar für ihre Art des „Hashtag-Aktivismus“ kritisiert werden, gehören sie dennoch zu den engagiertesten Helfern, was neue, innovative Wahlkampf – und Fundraising-Formate angeht. Sie gehen zwar auch von Tür zu Tür und tätigen Anrufe, aber sie schreiben außerdem Code und bahnen sich über Instagram und Facebook ihren Weg in die Herzen und Gehirne in ihrem sozialen Umfeld.

Wir wollten mehr darüber erfahren, wie solches freiwilliges Engagement im Wahlkampf aussieht und welche Themen die ehrenamtlichen Helfer im Vorfeld der Wahlen 2016 bewegt – also haben wir uns mit einigen von ihnen unterhalten, quer durch das politische Spektrum.

 

Sarah Parrish (Kansas):
Sarah Parrish ist 34 Jahre alt, Mutter und Veteranin der US-Armee aus Johnson Country, Kansas. Sie engagiert sich seit Mai 2015 für den Wahlkampf von Bernie Sanders, doch für Bernie brennt sie schon seit Jahren, was in den USA wortspielerisch als „feeling the Bern“ bezeichnet wird.  Unermüdlich arbeitete sie
mit anderen Freiwilligen daran, im benachbarten Iowa die Wählerschaft zu mobilisieren. Die letzten paar Wochen hat sie sich für die Vorwahlen in ihrem eigenen Staat engagiert.

Wenn man sie fragt, wie es denn so ist, sich in einem überwiegend konservativen Staat wie Kansas für einen selbsternannten Sozialdemokraten einzusetzen, erwidert Sarah, dass es „ eigentlich recht viel Mut macht… Ich habe gesehen, wie immer mehr Progressive hinterm Ofen hervorkommen, im Wissen, dass sie nicht alleine sind und voller Freude, dass sie einen Kandidaten haben, für den es sich zu kämpfen lohnt, denn Bernie kämpft ja schließlich für uns und für die Themen, vor denen die Bevölkerung von Kansas steht.“

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(Links) Bernie Sanders Wähler bei der demokratischen Vorwahl in Kansas. (Rechts) Sarah mit Sanders in Kansas City.

 

Caleb Benjamin (New Hampshire):

Caleb Benjamin ist 14 Jahre alt und besucht die neunte
Klasse an der Hanover High School in Hanover, New Hampshire. Benjamin beschreibt sich selbst als Sportfanatiker und verbringt seine Freizeit mit Skifahren, Fußball spielen und freiwilligem Engagement für die Wahlkampfinitiative „Hillary for America“.

Er setzt sich in seinem heiß umkämpften Heimatstaat für Clinton ein, wobei seine Hauptaufgabe darin besteht, unentschlossene Wähler anzusprechen (telefonisch oder an der Haustür). Obwohl er diesmal noch nicht selbst wählen kann, beschäftigen Benjamin Themen wie „Vermeiden von Waffengewalt, Reform der Wahlkampffinanzierung und der Kampf gegen den Terror” sehr.

Er ist überzeugt, dass „Hillary die beste Kandidatin ist, um diese Probleme zu bekämpfen und zu lösen.“ Hier sieht man Caleb in Aktion vor einer der Debatten der Demokraten im vergangenen Jahr.

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(Links) Caleb kontaktiert potenzielle Hillary Wähler. (Rechts) Caleb mit seiner Kandidatin.

 

Raquel Desouza (Virginia):
Raquel ist 21 Jahre alt, studiert Journalistik und ist im Norden Virginias aufgewachsen. Wie auch New Hampshire und Iowa ist Virginia ein „Swing State“, in dem der Wahlausgang ungewiss ist, und hat sich in den Präsidentschaftswahlen für Kandidaten beider Lager als entscheidend erwiesen.

Raquel studiert an der George Mason University, wo sie ehrenamtlich als Leiterin für Soziale Medien für „Studenten der GMU für Rubio“ tätig war. In diesem Wahlkampf beschäftigen Raquel vor allem „Einwanderungsreform, ISIS zu besiegen und die Wirtschaft”. Als Amerikanerin der ersten Generation identifiziert sie sich „mit Rubios Geschichten, wie seine Familie den amerikanischen Traum für sich verwirklicht hat“ sowie mit seiner „positiven Botschaft“.

Obwohl Trump in der diesjährigen „Super Tuesday“-Vorwahl den Staat Virginia gewonnen hat, hatte Raquel Hoffnung, dass ihr Kandidat sich in seinem Heimatstaat Florida durchsetzt. Nun ist sie enttäuscht, dass ihm das nicht gelang. „Ich glaube wirklich, dass die Republikanische Partei mit dieser Wahl einen Riesenfehler begeht. Trump ist weder Republikaner noch konservativ. Er spaltet Menschen, er ist rassistisch, ignorant und gefährlich – für die Partei und für das Land. Es ist traurig, frustrierend und, offen gesagt, peinlich.”

Kasich sagt ihr zwar als zweite Wahl zu, sie glaubt allerdings nicht, dass er die Nominierung erringen kann. „Ich warte noch ab, ob es einen unabhängigen Kandidaten geben wird, oder ich überlege mir sogar, für Hillary zu stimmen. Ja, mit ihr gibt es dann zwar nochmal vier bis acht Jahre hoher Regierungsausgaben, aber zumindest weiß ich bei ihr, woran ich bin. Trump ist so unvorhersehbar, dass es schon gefährlich ist.“

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Raquel und ihre Kommilitonen vor ihrem Wahllokal in Virginia.

 

Trent Seubert (Iowa):

Trent Seubert ist 21 Jahre alt und studiert Gesundheit und Psychologie an der University of Iowa. Seit Mai 2015 engagiert er sich freiwillig für die Wahlkampfinitiative „Hillary for America“. Seubert engagiert sich leidenschaftlich für Frauenrechte, wie etwa gleiche Gehälter und das Recht der Frau auf reproduktive Selbstbestimmung. Wie viele seiner Generation macht er sich auch Sorgen um die Verschuldung von Studenten und den Klimawandel.

In Iowa finden die allerersten Vorwahlen landesweit statt, deswegen ist ein Besuch in Iowa ein wichtiger Termin für sämtliche Präsidentschaftskandidaten. Clinton gewann die Vorwahl in Iowa dieses Jahr knapp mit gerade 0,03 Prozentpunkten, doch weil Iowa ein sogenannter „lila Staat“ ist, sich die (roten) Republikaner und die (blauen) Demokraten also in etwa die Waage halten, bleibt Iowa für die Initiative weiterhin von Bedeutung, sollte Clinton sich im Juli die Nominierung sichern.

Vor den Vorwahlen versuchte Trent in Iowa City Wähler bei Telefonaten und Hausbesuchen davon zu überzeugen, für Hillary zu stimmen. Er ist außerdem Mitorganisator der studentischen Initiative „Hawkeyes for Hillary“, die mit Events wie „Pizza und Politik“ ihre „politisch nicht gerade aktiven” Kommilitonen zu größerem Engagement animieren will. Trent fand seine Erfahrung mit freiwilligem Engagement im Vorwahlkampf „toll und auch ein bisschen wahnsinnig. Derartige Begeisterung habe ich noch nie zuvor erlebt, weil es bei dieser Wahl um so viel ging… Ich fand es absolut genial.“

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(Links) Trent und Hillary Clinton. (Rechts) Trent bei der Vorwahl der Demokraten in Iowa.

 

 

Die Freiwilligen in diesem Artikel stellen lediglich eine Auswahl dar. Ihre Sichtweisen und Meinungen sind nicht zwangsläufig repraesentativ für die amerikanische Bevölkerung , deren politische Parteien oder die Heinrich-Böll-Stiftung. 

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