Pest, Cholera oder Typhus? Die drei Optionen der Republikaner nach dem Super Tuesday

Der Super Tuesday hätte für Donald Trump nicht besser laufen können. Er hat seinen Vorsprung auf die verbliebenen republikanischen Kandidaten deutlich ausgebaut. Gleichzeitig haben seine Gegner jeweils gerade gut genug abgeschnitten, um im Rennen zu bleiben. Damit schwächen sie sich weiter gegenseitig, was einen Erfolg von Trump fast unausweichlich macht.

Den Republikanern verbleiben nun drei Möglichkeiten

  1. Szenario Lagerfeuer

Sie können sich hinter Donald Trump versammeln, in der Hoffnung, dass er sich vom narzisstischen, autoritären Demagogen zum pragmatischen Staatsmann wandelt, eine Mehrheit der Amerikaner/innen überzeugt, die Wahl gewinnt, und eine Spaltung der Partei vermieden werden kann. Erste Republikaner, wie Chris Christie, der Gouverneur von New Jersey, gehen bereits diesen Weg, auch, um nicht auf der Verliererseite zu stehen.

Der Haken ist, dass all dies unwahrscheinlich ist. Ein erheblicher Anteil republikanischer Wähler/innen kann sich unter keinen Umständen vorstellen, für Trump zu stimmen. Das ist auf der einen Seite der moderate Flügel der Partei. Erste prominente Stimmen haben sich bereits öffentlich festgelegt, einem Kandidaten Trump die Gefolgschaft zu verweigern oder gar Hillary Clinton an seiner statt zu wählen, nach dem Motto: Das Wohl des Landes steht über dem Wohl der Partei. Aber auch beim konservativen rechten Flügel gibt es erhebliche Widerstände. Trump gilt ihnen als verkappter Demokrat, der in vielen sozialen und gesellschaftspolitischen Fragen auf Obamas Seite stehe, und weder religiös noch wahrhaft konservativ sei. Gleichzeitig würde eine Kandidatur von Trump demokratische Wähler/innen mobilisieren wie selten zuvor, und könnte die Republikaner so neben der Präsidentschaft gar die Mehrheit im Senat kosten, vom dauerhaften Schaden für das Image der Partei ganz zu schweigen.

  1. Szenario Putsch

Die Anhänger dieses Szenarios hoffen, dass Trump trotz großem Vorsprung beim Parteitag der Republikaner im Sommer keine eigene Mehrheit an Delegierten haben wird. Bei einem solch „gespaltenen Parteitag“ sei es dann möglich, die übrigen Delegierten hinter einem gemeinsamen Kompromisskandidaten zu versammeln, beispielsweise Marco Rubio, und Trump so im letzten Moment zu stürzen. Dafür spricht, dass Trump bislang keine Mehrheit der republikanischen Wähler/innen auf sich vereinen kann, sondern bei den Vorwahlen zumeist zwischen einem Drittel und der Hälfte der Stimmen geholt hat.

Der Haken ist, dass ein Erfolg dieses Szenarios sehr unwahrscheinlich ist und die Nebenwirkungen extrem hoch wären. Die Wahl eines anderen Kandidaten bei deutlichem Vorsprung von Trump würde die Wut auf das Establishment der Partei stärken, auf welcher der Erfolg Trumps basiert. Es dürfte dann kaum möglich sein, die Anhänger von Trump an die Wahlurne im November zu bringen und für einen Wahlerfolg zu sorgen. Im Gegenteil, eine Spaltung der Partei wäre durchaus denkbar. Zudem ist nicht erkennbar, wie eine geschlossene Mehrheit gegen Trump organisiert werden könnte, wenn es bereits zu diesem Zeitpunkt nicht möglich ist, die Gegenkandidaten von Trump zu vereinen.

  1. Szenario Kreuzzug

Der einzige Gegenkandidat von Trump, der bislang mehrere Bundesstaaten hat für sich entscheiden können, ist Ted Cruz. Er verweist daher darauf, dass er als Einziger eine Chance hätte, Trump zu schlagen so sich nur alle anderen hinter ihm versammeln würden.

Der Haken ist, dass dies extrem unwahrscheinlich ist: Die Wählerschaft von Cruz sind in erster Linie konservative Evangelikale, eine relevante, aber keineswegs hinreichende Basis für einen Wahlerfolg. Es ist nicht absehbar, wie Cruz eine Mehrheit organisieren und außerhalb von einigen Staaten im Süden und mittleren Westen gut abschneiden könnte. Vor allem aber gibt es nur eine Figur, die beim republikanischen Establishment verhasster ist als Donald Trump: Ted Cruz. Wo Trump ein Demagoge ist, ist Cruz ein radikaler und kompromissloser Ideologe, ein Vertreter der reinen konservativen Lehre, der es in seiner kurzen Zeit in Washington geschafft hat, sich alle Republikaner im Senat zum Feind zu machen. Weshalb sich die republikanischen Reihen ausgerechnet hinter diesem schließen sollten, bleibt wohl sein Geheimnis.

Die Republikaner sind so inmitten einer existentiellen hausgemachten Krise. Die unterschiedlichen Flügel der Partei haben nur noch wenig miteinander gemein, und es ist nicht absehbar, wie sie derzeit noch erfolgreich zusammen gehalten werden können. Die Geister, die sie im Rahmen der Radikalisierung der Partei riefen werden die Republikaner nun nicht mehr los. Der erfolgreichste von ihnen, und vermutlich der nächste Präsidentschaftskandidat, hat einen Namen: Donald Trump.

Dieser Artikel wurde unter Uncategorized kategorisiert und ist mit , , , verschlagwortet.

Kommentieren