Dame sticht Bube

Der erdrutschartige Sieg von Hillary Clinton bei den Vorwahlen in South Carolina ist der Anfang vom langsamen Ende der Kampagne von Bernie Sanders. Nachdem Clinton bereits die Caucuses in Nevada vor einigen Tagen für sich entschieden hatte, treten die Schwachpunkte von Bernie Sanders Kampagne nun offen zutage.

  1. Alter vor Jugend

Der wohl wichtigste Schwachpunkt der Sanders-Kampagne ist ausgerechnet seine angebliche Stärke: er setzt auf die Unterstützung von jungen demokratischen Wähler/innen. So bemerkenswert sein Vorsprung bei Wähler/innen unter 44 gegenüber Hillary Clinton ist, so zeigt sich seit Nevada, dass junge Wähler/innen zwar eine wichtige, aber bislang noch nie eine wahlentscheidende Gruppe in den USA waren. Der Grund: die mangelnde Wahlbeteiligung. Von den 18-24 jährigen nahmen 2012 nicht einmal 40 % an der Wahl teil, bei den 25-44 jährigen unter 50 %. Im Gegensatz dazu nahmen ab dem Alter von 45 im Schnitt über 65 % an den Wahlen teil, bei den über 65-jährigen gar über 70 %. Um dieses Defizit wett zu machen bräuchte es eine weit überproportionale Mobilisierung junger Wähler/innen, was Sanders nicht im notwendigen Ausmaß zu gelingen scheint.

  1. Linksliberale Weiße bringen keine Mehrheit

Auch wenn Sanders es in Nevada geschafft hat, besser als erwartet bei Latinos abzuschneiden, zeigt die Vorwahl in South Carolina, dass er bei Schwarzen keine Chance hat. Am kommenden Super Tuesday, an dem etliche südliche Staaten mit hohem Anteil an schwarzen Wähler/innen abstimmen, wird das entscheidend sein. Auch bei Wähler/innen mit moderaten politischen Ansichten liegt Clinton weiter vorne. Es zeigt sich nun, dass Sanders es offensichtlich nicht vermag, über seine klassische Klientel hinaus wesentlich auszugreifen. Mit einer Unterstützung von im Wesentlichen linksliberalen Weißen aber ist keine Mehrheit im demokratischen Lager zu holen.

Gleichzeitig scheint die Unterstützung für Hillary Clinton gerade bei schwarzen Wähler/innen noch weit höher als bislang vermutet. Sechs von zehn Wähler/innen in South Carolina waren Schwarze, mit einer Wahlbeteiligung, die sogar über diejenige von 2008 hinausging, als Barack Obama seinerzeit als Präsidentschaftskandidat antrat. Das ist auch dem jahrzehntelangen Engagement der Clintons für Bürgerrechte geschuldet, die bei dieser Frage eine hohe Glaubwürdigkeit genießen.

  1. Ein Thema ist nicht genug

Nur 21 % der Wähler/innen in South Carolina gaben an, dass Einkommensungleichheit ihr drängendstes politisches Anliegen sei, die zentrale Botschaft von Bernie Sanders. Etwa doppelt so viele gaben den Zustand der Wirtschaft und die Schaffung von Arbeitsplätzen als wichtigste Herausforderung an, Fragen, bei denen Hillary Clinton mehr Kompetenz zugestanden wird. Es zeigt sich nun, dass das von vielen als eindimensional empfundene Programm von Sanders für ihn zum Problem wird. Sanders hat zwar de facto ein breiter aufgestelltes Programm, aber sein Image als „One-Issue-Candidate“ scheint er nur schwer ablegen zu können. Genau als solchen greift ihn wiederum Hillary Clinton seit Wochen erfolgreich an.

Zusammen genommen, und vor dem Hintergrund, dass Clinton derzeit ohnehin mit Abstand vor Sanders führt, ist nicht absehbar, wie Sanders in den nächsten Wochen entscheidend wird aufholen können.

Dieser Artikel wurde unter Uncategorized kategorisiert und ist mit , , , , , verschlagwortet.

Kommentieren