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Die Millennials – eine Komplizierte Wählergruppe mit Potential

Die Millennials mit rund 40 Millionen jungen Leuten, die zwischen 1980 und 2000 geboren sind, stellen bei den diesjährigen Präsidentschaftswahlen die weitaus größte Wählergruppe dar. Sie überholen damit erstmals zahlenmäßig die Gruppe der Babyboomers, die zwischen 1946 und 1964 geboren sind und seit den 80iger Jahren die Themen der Präsidentschaftswahlen dominieren. Eigentlich wäre dies eine gute Nachricht für die Demokraten, denn die jungen Wähler von heute sind progressiver und offener für Themen der sozialen Gerechtigkeit.

Denn glaubt man einer Umfrage der Washington Post, sind es vor allem die Themen der Demokraten, die den Millennials wichtig sind: Zum Beispiel sind 70 Prozent von ihnen für die gleichgeschlechtliche Ehe, 60 Prozent wollen, dass der nächste Präsident sich um eine gerechte Immigrationsreform kümmert, und 80 Prozent sehen den Klimawandel als eine der größten gesellschaftspolitischen Herausforderungen unserer Zeit. In Anbetracht dessen sollte man denken, dass diese Themen eine weitaus prominentere Rolle im Wahlkampf spielen würden.

Doch so einfach ist es nicht. Denn die Millennials sind zwar die größte Wählergruppe, sie sind aber auch weitaus diverser als die Babyboomers, die mit 80 Prozent eine überwiegend weiße und homogene Generation ist. Heute sind nur noch etwa 57 Prozent der jungen Amerikaner weiß, dabei steigt der Anteil der Afro-Amerikaner auf 14 Prozent, und der Hispanics auf 21 Prozent. Traditionelle Institutionen wie die Ehe spielen für Millennials keine tragende Rolle mehr: nur noch 26 Prozent der heute 32-Jährigen ist verheiratet (bei den Babyboomers waren es seinerzeit 50 Prozent). Und nur noch ein Drittel der Millennials ist religiös. Wie spricht man eine so diverse Wählergruppe geschickt an?

Darin besteht die politische Herausforderung: Millennials identifizieren sich nicht mit den zwei Parteien, und gerade das macht sie für die Wahlstrategen so schwer greifbar. 85 Prozent fühlen sich sogar von der amerikanischen Politik vernachlässigt, und lediglich 26 Prozent von ihnen sind registrierte Wähler. In gewisser Weise kann man diesen Trend durch die Erfahrungen der letzten Jahre erklären: denn den meisten jungen Menschen in Amerika geht es heute wirtschaftlich verhältnismäßig schlechter als noch in den 80iger Jahren. Zum Beispiel besitzen sie heute nur noch etwa halb so viel Vermögen wie damals. Und das obwohl heute weitaus mehr junge Menschen einen Universitätsabschluss haben. Viele von ihnen fingen unter schwierigsten Bedingungen während der Finanzkrise an zu arbeiten und sitzen heute auf einem enormen Schuldenberg von Studiengebühren, die in den USA oft bis zu 50.000 Dollar pro Jahr betragen. Babyboomers haben in ihrer Jugend von öffentlichen Ausgaben profitiert, doch Millennials können für die Zukunft höhere Steuern und Sozialversicherungsbeiträge erwarten.

Das erklärt, warum es den jungen amerikanischen Wählern nicht um politische Ideologie geht. Sie wollen, dass die Politik verstärkt in ihre Zukunft, z.B. in die Ausbildung, in das Gesundheitssystem, in nachhaltige Arbeitsplätze und die Bekämpfung des Klimawandels investiert. Wahrscheinlich hat Bernie Sanders, der Links-Außen der demokratischen Kandidaten, bisher bei den jungen Wählern am meisten gepunktet, denn er präsentiert sich geschickt als Kandidat des Anti-Establishments und fährt eine aggressive Agenda der sozialen Gerechtigkeit, die die unmittelbaren Anliegen vieler junger Leute adressiert. Außerdem nutzt er geschickt die Sozialen Medien, die die jungen Wähler ganz anders als das Fernsehen erreicht.

Eines ist klar: die Wahlstrategen beider Parteien haben zwar das Potential der Millennials erkannt (schließlich waren sie es, die mit über 60 Prozent ihrer Stimmen Obama in 2012 zum Sieg gegen Mitt Romney verhalfen), doch solange man diese nicht in Wählerstimmen umwandelt, werden die politischen Themen der Millennials weiterhin überwiegend auf der Strecke bleiben. Die politische Herausforderung wird sein, die vernachlässigten jungen Wähler in den politischen Prozess zu integrieren. Erst dann werden die Millennials ihr wahres Potential für die amerikanische Politik entfalten.

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Diskussion

  1. Bernie Sanders als Linksaußen zu bezeichnen ist ja auch ganz schön wild. Nach europäischem Maßstab ist der Mann doch ein Sozialdemokrat, oder?

  2. Eine ziemlich verkehrte Wahlkampfanalyse. Bernie Sanders und Hillary Clinton reden doch regelmäßig über den Klimawandel und eine gerechte Immigrationsreform. Außerdem kämpfen sie hartnäckig um die Unterstützung u.a. von #BLM-Aktivisten. Dieses zeigt, dass soziale Gerechtigkeit und junge Wähler schon eine wichtige Rolle in diesem Wahlkampf spielen. Es hat nichts mit der Religiosität oder Heiratsraten der Millennials zu tun…

  3. Und nicht nur Bernie Sanders nutzt geschickt die sozialen Medien. Sogar Donald Trump hat 6.5 Millionen Follower auf Twitter!

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