And the Oscar goes to…that white guy

Während die Berlinale gerade neuen Filmen eine Bühne liefert, feiert sich Hollywood dieser Tage wieder selbst. Die Oscars stehen an, und prämieren die (angeblich) besten Filme des vergangenen Jahres. Same procedure as every year? Nicht ganz.

Wieder einmal wurden nur weiße Schauspieler/innen und Regisseur/innen für die begehrtesten Trophäen nominiert. Aber diesmal ging dies nicht spurlos an der „Academy of Motion Picture Arts and Sciences“ vorüber. Unter dem Hashtag #OscarsSoWhite wird seither die mangelnde Diversität der Nominierungen und der Mitglieder der Academy angeprangert.

Die gut 6000 Mitglieder der Academy, welche die Oscars vergibt, sind überwiegend männlich, weiß und älteren Jahrgangs. Unter massivem öffentlichem Druck verpflichtete sich die Academy nun zu einem Reformprogramm. Bis 2020 soll die Diversität der Mitglieder verdoppelt werden, unter anderem durch den schrittweisen Ausschluss von älteren, seit über zehn Jahren nicht mehr im Filmgeschäft aktiven Mitglieder.

Bei der Kritik an Hollywood geht es aber nicht alleine um die Frage der Oscar-Nominierungen. Es geht auch grundsätzlich um Rassismus und die Diskriminierung von Schwarzen in den USA. Seit der Bürgerrechtsbewegung in den 1960ern gab es keine Zeit, in der so intensiv über Rassismus in Amerika debattiert wurde wie in den letzten Jahren. Maßgeblich dazu beigetragen hat die #blacklivesmatter-Bewegung, hervorgegangen aus Protesten in Folge von willkürlichen Tötungen von Schwarzen durch Polizisten.

In seinen besten Jahren hat Hollywood stets reflektiert, was die amerikanische Gesellschaft gerade bewegte. Durch das Ignorieren etlicher bemerkenswerter schwarzer Filmemacher und Schauspieler/innen des vergangenen Jahres hat Hollywood es diesmal offensichtlich versäumt, den Nerv der Zeit zu treffen. Das Problem dessen liegt neben der Academy auch bei den großen Filmstudios und ihren Entscheidungen über Filme und Besetzungen.

Zugleich haben Hollywood und das Kabelfernsehen längst das Monopol über die filmische Deutungshoheit in den USA verloren. Amazon, Netflix, HBO und andere drängen auf den Markt, und sind risikobereiter und empfänglicher für unkonventionelle Stoffe und Produkte. Kein Wunder, dass der Dinosaurier Hollywood da oftmals so altbacken wirkt wie die Mitglieder seiner Academy

Dieser Artikel wurde unter Uncategorized kategorisiert und ist mit , , verschlagwortet.

Kommentieren